
|
|
|
|---|---|---|
|
|
|
Szenische Lesung versetzt 500 Gäste nach Riga zur Zeit des Nationalsozialismus
Minus 15 Grad empfinden viele Hamburgerinnen und Hamburger in diesen Tagen als furchtbare Kälte. Minus 30 Grad herrschten im Winter 1941 in den Wäldern um Riga. Dorthin trieben die Nazis die Juden, zwangen sie, sich ausziehen, bevor sie sie erschossen. Bürgerschaftspräsident Berndt Röder betonte in seiner Rede anlässlich der Szenischen Lesung im Großen Festsaal des Rathauses, wie wichtig es sei, die Erinnerung an diese schrecklichen Geschehnisse zu bewahren.
Den nationalen Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar begeht die Hamburgische Bürgerschaft seit zwölf Jahren mit der Szenischen Lesung, für die der Autor Michael Batz das Dokumentarstück schreibt.
In diesem Jahr trug es den Titel „Nach Riga“ und versetzte die knapp 500 Zuschauer zurück in den Winter 1941. Mit dem vierten Deportationszug, am 6. Dezember 1941, verließen 753 Hamburger Juden die Hansestadt nach Riga. Sie glaubten, als Aufbaukräfte in den kriegsbesetzten Ostgebieten Arbeit und Unterkunft zu finden, tatsächlich aber war es für mindestens 726 Menschen eine Reise in den Tod. Die lettische Hauptstadt war einer der ersten Schauplätze der sogenannten „Endlösung der Judenfrage“. An nur zwei Tagen, am 8. und 9. Dezember, erschossen die Nationalsozialisten 27.000 Juden.
Michael Batz hat ein halbes Jahr lang in Archiven geforscht, um mit Hilfe von Protokollen der Hamburger Staatsanwaltschaft und Schilderungen Überlebender die grausamen Zustände und Geschehnisse in den lettischen Lagern Jungfernhof, Salaspils und Kaiserwald dem Publikum bewusst zu machen.
Michael Bideller, Peter Franke, Marion Martienzen und Isabella Vértes-Schütter trugen Erzählungen vom Lageralltag, von Angst, Hunger und dem kaum vorstellbaren Sadismus der Lagerkommandaten und –aufseher, dem Publikum vor. Trotzdem versuchten die internierten Juden, sich ein Stück ihrer Kultur zu bewahren, und so hörte das Publikum auch von Faust-Vorlesungen, Schulunterricht für die Kinder und Chanukka-Feiern, die die Juden heimlich abhielten. Die Lieder, die dabei gesungen wurden, trugen Igor Zeller und Marion Martienzen vor.
Ausstellung würdigt mutige Hamburgerinnen und Hamburger in der NS-Zeit
„Die Freiheit lebt! Widerstand und Verfolgung in Hamburg 1933-1945“ lautet der Titel der Ausstellung, die Bürgerschaftspräsident Berndt Röder und Dr. Detlef Garbe, Leiter der KZ-Gedenkstätte Neuengamme, am Freitag eröffnet haben. „Die Ausstellung ,Die Freiheit lebt!’ möchte alle jede Menschen würdigen, die sich dem Sog entzogen, die nicht den Weg des freiwilligen oder erzwungenen Arrangements beschritten und die für ein anderes Deutschland standen“, sagte Dr. Garbe.
48 Tafeln dokumentieren die unterschiedlichsten Formen des Widerstands gegen das NS-Regime in Hamburg. Die Ausstellung gibt einen Überblick über die zahlreichen Gruppen unterschiedlichster politischer, religiöser und sozialer Herkunft, die durch Verweigerung und Widerstand gegen das Nazi-Regime aufbegehrten und so den brutalen Repressionen des Systems ausgesetzt waren. Viele Menschen bezahlten dafür sogar mit ihrem Leben. Neben zahlreichen Porträts im Widerstand engagierter Hamburgerinnen und Hamburger wie Hugo Gill, Fritz von Hacht und Hilde Schottländer, informiert die Ausstellung unter anderem über den Hamburger Zweig der Weißen Rose, den Widerstand des 20. Juli 1944 sowie die Hamburger Swing-Jugend und die Zeugen Jehovas. Die 15-jährige Semiha Savran hat in der KZ-Gedenkstätte ein Schulpraktikum absolviert und sich mit der Widerstandsgruppe um Helmuth Hübener beschäftigt. In ihrer Rede berichtete sie von den Ergebnissen, die in die Ausstellung eingeflossen sind.
„Ich hoffe und wünsche, dass viele Hamburgerinnen und Hamburger in den kommenden Wochen den Weg in die Rathausdiele finden. Es sind beeindruckende und ergreifende Schicksale des Widerstands, die dort ab heute gezeigt werden“, sagte Röder in seiner Rede. Die Ausstellung ist vom 22. Januar bis zum 14. Februar in der Diele des Rathauses zu folgenden Zeiten zu besuchen: Montag bis Freitag von 9.00 bis 18.00 Uhr, Samstag und Sonntag von 10.00 bis 13.00 Uhr. Der Eintritt ist frei!