Grußwort der Präsidentin der Hamburgischen Bürgerschaft, Carola Veit, anlässlich des Empfangs des Generalkonsulats der VR China zum 64. Jahrestag

Es gilt das gesprochene Wort!

Sehr geehrter Herr Generalkonsul Yang!

Meine sehr verehrten Damen und Herren!

 

Eine Geburtstagsfeier ist immer ein freudiger Anlass, und ich danke herzlich für die Einladung. Es ist mir eine Ehre, Ihnen und der Volksrepublik China zum 64. Jahrestag der Gründung im Namen unseres Landesparlaments zu gratulieren und die besten Glückwünsche zu überbringen.

 

Es hat eine Weile gedauert, meine sehr geehrten Damen und Herren, bis mir die Parallele aufgefallen ist. Unsere Bundesrepublik und Ihre Volksrepublik sind nämlich beide im gleichen Jahr geboren, 1949.

 

Wir sind beide 64 Jahre alt, das ist nach deutschen Maßstäben kurz vor dem Eintritt ins Rentenalter, aber dafür sind unsere beiden Länder ja viel zu agil und lebendig.

 

Keine Frage: Sie hatten es in China weitaus schwerer als wir in Deutschland. In beiden Ländern war damals viel zerstört, eine industrielle Produktion gab es nicht, Hunger und Krankheiten waren an der Tagesordnung. Wir hatten das große Glück, umfassende Starthilfe zu bekommen, deshalb ging es bei uns schnell wieder bergauf. Aber Sie haben uns in China dann später vorgeführt, dass alles noch viel, viel schneller gehen kann.

 

Ihre Entwicklung in den letzten 20 oder 25 Jahren, dieses gewaltige Wachstum, das hat die ganze Welt beeindruckt, und dafür wird China weltweit bewundert. Auch dazu meine herzlichsten Glückwünsche!

 

Verehrte Gäste,

das chinesische Jahr 2013 steht ganz im Zeichen der Schlange. Menschen, die in so einem Jahr geboren werden, gelten als weise, kreativ und intelligent. Und in der Tat: sogar ein Blick in die Geschichte unserer Heimatstadt, fernab von China, bestätigt diese Lebensweisheit: Mit Felix Mendelssohn Bartholdy (Schlangen-Jahrgang 1809) und Johannes Brahms (1833) hat Hamburg der Musikgeschichte zwei der bedeutendsten Komponisten geschenkt.

 

In einem anderen Jahr der Schlange, nämlich 1869, wurde der spätere Architekt Fritz Schumacher geboren. Als Oberbaudirektor gestaltete er unseren Stadtpark und das Museum für Hamburgische Geschichte, um nur zwei seiner kreativen Beispiele zu nennen, von denen viele bis heute unser Stadtbild prägen.

 

Xi Jinping, Ihr neuer Staatspräsident, ist ebenfalls in einem Schlangenjahr geboren. Die Weisheit, die Kreativität und die Intelligenz, die damit verbunden sind, wird China sehr gut gebrauchen können, wenn es gilt, die vielfältigen gegenwärtigen Herausforderungen zu meistern.

 

„Nach den Steinen tastend den Fluss überqueren“ – mit diesem bildhaften Vergleich charakterisierte Ihr großer Parteiführer Deng Xiaoping die vorsichtige Reform- und Öffnungspolitik in den Jahren nach 1978. Die Wirtschaft behutsam entwickeln, ohne die großen gesellschaftlichen und sozialen Errungenschaften über Bord zu werfen,

das war und ist ein Kunststück, und ich glaube und wünsche Ihnen und uns allen, dass Sie das schaffen.

 

Meine Damen und Herren,

wer die Entfernung zwischen Shanghai und Hamburg misst, der kommt auf genau 12.086 Kilometer, zumindest wenn man die Strecke mit dem Auto fährt. Auf diese wahnwitzige Idee sind zugegeben noch nicht Viele gekommen – mit Ausnahme der Teilnehmer der Rallye Shanghai-Hamburg,

die ich im Namen der Hamburgischen Bürgerschaft erst vor wenigen Wochen in unserer Heimatstadt begrüßen durfte.

 

Auch wenn unsere beiden Städte so weit auseinanderliegen, so sind wir uns freundschaftlich doch eng verbunden. Seit 1986 besteht unsere Partnerschaft, die von beiden Seiten mit Herz und großer Sorgfalt gepflegt wird. Auf politischer, wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Ebene hat sich so ein deutsch-chinesisches Netzwerk gebildet, das unsere Verbundenheit auszeichnet und die Zuversicht stärkt, wie sehr dieser Austausch sich zu beiderseitigem Nutzen weiterentwickeln wird.

 

Erst vor wenigen Wochen wurde uns die große Ehre zuteil, eine Delegation des „Shanghai Committee“ der „Chinese People’s Political Consultative Conference“ in unserer Mitte willkommen zu heißen. Und schon heute sind wir in Vorfreude auf den Besuch einer Abordnung des Volkskongresses von Shanghai; unsere Freunde aus der chinesischen Partnerstadt haben sich für Ende Oktober angekündigt.

 

Dieser regelmäßige Austausch auf politischer Ebene ist auch deshalb so wichtig, weil er stets neue Perspektiven eröffnet, und unsere Besuche bestärken uns darin, auch weiterhin diese Verbindungen zu pflegen und auszubauen.

 

Wir sind dem chinesischen Generalkonsulat in Hamburg zu großem Dank verpflichtet. Ohne Ihr Zutun, verehrter Herr Generalkonsul, wären so manche Wege auf dem diplomatischen Parkett länger, und so manche Türen ließen sich vielleicht nur schwerlich öffnen. Dass Sie dabei so unaufgeregt und nahezu ungebremst agieren, ist ein großes Kompliment, das ich Ihnen an dieser Stelle aussprechen möchte.

 

Die deutsch-chinesischen Wirtschaftsbeziehungen sind traditionell tief in Hamburg verwurzelt – oder besser gesagt: verankert. Bereits 1731 kam das erste deutsche Schiff von seiner langen Reise aus China zurück und machte im Hamburger Hafen fest. Und 1845 gründete ein Hamburger Unternehmen als erste europäische Firma eine Niederlassung in Guangzhou.

 

Heute ist Deutschland weltweit einer der größten Handelspartner des „Reichs der Mitte“, wie wir es früher genannt haben. Mehr als die Hälfte des gesamtdeutschen Chinahandels wird über den Hamburger Hafen abgewickelt.

Jeder dritte Container kommt aus China oder wird dorthin verschifft. Damit ist Hamburg das europäische Zentrum Nr. 1 für den Handel mit China – und wir sind auch der Standort Nr. 1 in Kontinentaleuropa für chinesische Firmen. Zwischen 30 und 50 chinesische Unternehmen siedeln sich jedes Jahr neu in Hamburg an, ca. 450 sind es insgesamt.

 

Man kann also sagen: Der Hamburger Hafen bildet  die Brücke zwischen Europa und Fernost.

 

Für China ist Hamburg das Tor zu Europa, und der Hamburger Hafen der bedeutendste europäische Hafen überhaupt. Umgekehrt ist China der größte Kunde des Hamburger Hafens und einer der wichtigsten Partner für die Metropole.

 

Mehr als 500 Hamburger Firmen unterhalten bereits Geschäftsverbindungen in die Partnerstadt, und mehr als 50 Hamburger Unternehmen sind in Shanghai mit eigenen Niederlassungen, Joint Ventures oder Produktionsstätten vertreten.

 

Für mich ist es an dieser Stelle aber ebenso wichtig, auf das große Glück hinzuweisen, dass unsere deutsch-chinesische Freundschaft nicht allein auf Umsätzen und Erträgen beruht.

Sondern sie wird von einer Vielzahl von Vereinen, Verbänden und zahlreichen engagierten Menschen getragen, die auf wissenschaftlicher, kultureller oder sozialer Ebene die Kontakte auf beste Art und Weise pflegen.

 

Einige von ihnen wie die Hamburger China-Gesellschaft, der Ostasiatische Verein oder das Asien-Afrika-Institut sind hier vertreten.

 

Ihnen allen sei für den unermüdlichen Einsatz gedankt, den Sie tagtäglich leisten und so dafür sorgen, dass unsere befreundeten Nationen jedes Mal ein Stück enger zusammenrücken.

 

Möge der heutige Abend unsere Freundschaft mit China und unsere Städtepartnerschaft mit Shanghai nachhaltig fördern. Im Namen der Hamburgischen Bürgerschaft wünsche ich uns allen, liebe Gäste, ein gelungenes Miteinander und einen schönen Empfang!


Zeitpunkt: 18:00 Uhr

Ort: Grand Elysée Hotel