Nacht der Jugend

9. November 1938: Stiefelgetrampel. Scheiben gehen zu Bruch. Nachbarn werden geschlagen und abtransportiert. Schreie. Quietschende Reifen. SA und SS zerstören jüdische Einrichtungen in der Innenstadt, in Harburg, Altona und Wandsbek. Überfälle auf Geschäfte. Passanten machen einfach mit. Die Polizei sieht tatenlos zu. Es wird geplündert, demoliert und wahllos zugeschlagen. Rund 1.000 Hamburger verhaftet, in Konzentrationslager verschleppt.

Die Reichspogromnacht vor mehr als 75 Jahren bildete den Hintergrund für die "Nacht der Jugend". Mit dem Veranstaltungsformat zeigten junge Hamburgerinnen und Hamburger, wie sie sich mit der deutschen Geschichte auseinandersetzen. Ob Live-Acts aus Pop, HipHop und Reggae oder Kurzfilme, Gedichte und Zeitzeugengespräche zwischen Jung und Alt: Es gibt ganz unterschiedliche Formen, wie Jugendliche sich der NS-Vergangenheit nähern und zugleich aufzeigen, welche Werte unsere heutige Gesellschaft auszeichnen: Freiheit und Pluralismus.

Das Format, das zwischen 2006 und 2013 viermal stattfand, lockte jedes Mal etwa 2.000 Besucherinnen und Besucher ins Rathaus und bewies, dass Erinnern auch anders möglich ist als im Rahmen stillen Gedenkens.