Rund 1400 Gäste besuchen szenische Lesung „Hört damit auf!“ im Großen Festsaal

Mehr als 1400 Besucherinnen und Besucher haben die drei Aufführungen der szenischen Lesung „Hört damit auf!“ anlässlich des Gedenktages für die Opfer des Nationalsozialismus im Großen Festsaal des Rathauses besucht. Der Hamburger Künstler Michael Batz hat das Stück im Auftrag der Hamburgischen Bürgerschaft inszeniert. Vor 20 Jahren hat die Zusammenarbeit zwischen dem Landesparlament und Batz bei dieser bundesweit einzigartigen Form der Geschichtsvermittlung begonnen.


In der Inszenierung ging es um die Abteilung „Nationalsozialistische Gewaltverbrechen – NSG“ der Hamburger Staatsanwaltschaft. Nach den früh einsetzenden Prozessen alliierter Militärgerichte stieß die Aufklärung staatlich organisierter NS-Morde in beiden deutschen Staaten der Nachkriegszeit auf kein besonderes Interesse. Erst ein gesellschaftlicher Generationswechsel Ende der 1950er-Jahre leitete eine justizpolitische Wende ein, die in Hamburg zu Beginn der 1970er-Jahre zur Einrichtung der NSG-Abteilung in der Staatsanwaltschaft führte. Zu den letzten Angehörigen dieser Abteilung zählen die ehemaligen Oberstaatsanwälte Jochen Kuhlmann und Dr. Udo Löhr. Ihre Erfahrungen und Erinnerungen aus vielen Jahren ihrer Tätigkeit und ihrer Verfahren wurden in dem Dokumentarstück verdichtet.


„Für die Hamburgische Bürgerschaft steht das Erinnern im Herzen unserer Arbeit“, sagte Präsidentin Carola Veit in ihrer Rede vor Beginn der Aufführung über die Beweggründe des Landesparlaments, sich so eingehend mit der Aufarbeitung der NS-Zeit zu befassen. „Dass wir uns diesem Teil unserer Geschichte stellen, niemals Erinnerung verweigern, gebietet der Respekt vor den Millionen von Menschen, die von den Nazis ermordet wurden. Deshalb ist es gut und richtig, dass es seit 1996 den offiziellen und internationalen Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus gibt.“


Veit dankte Batz für sein nun 20-jähriges Engagement. „Sie leisten einen unendlich wichtigen Beitrag in der Aufarbeitung unserer Stadthistorie im Nationalsozialismus“, so die Präsidentin. „Wenn wir mit den Opfern auch zukünftig einen würdigen Umgang finden möchten, müssen wir uns umso intensiver mit der Geschichte der Aufarbeitung auseinandersetzen.“


Am Vormittag hatten gut 700 Schülerinnen und Schüler sowie 100 weitere interessierte Gäste zwei Aufführungen besucht. Zu der Abendvorführung, die erstmals auch live im Internet übertragen wurde, kamen fast 600 Gäste.


Als Sprecherinnen und Sprecher der szenischen Lesung traten Jantje Billker, Isabella Vértes-Schütter, Tommaso Cacciapuoti und Andreas Grötzinger auf. Die musikalische Untermalung kam von Jakob Neubauer und Edgar Herzog.


Der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar ist in Deutschland seit 1996 ein bundesweit gesetzlich verankerter Gedenktag. Dieser Jahrestag bezieht sich auf den 27. Januar 1945, den Tag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz. 2005 haben ihn die Vereinten Nationen zusätzlich zum internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust erklärt.



Foto v.l.: Präsidentin Carola Veit, Oberstaatsanwälte Jochen Kuhlmann und Dr. Udo Löhr sowie Künstler Michael Batz.