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Gedenkworte der Präsidentin zu Ehren von Dr. Martin Willich

14. Januar 2026 Bürgerschaftspräsidentin Carola Veit spricht zu Beginn der Plenarsitzung Gedenkworte zu Ehren von Dr. Martin Willich.

Es gilt das gesprochene Wort!

Meine sehr verehrten Damen und Herren!
Wir trauern um unseren ehemaligen Präsidenten der Hamburgischen Bürgerschaft, Dr. Martin Willich, der am Montag im Alter von 80 Jahren verstorben ist. Heute Vormittag hat die Familie seinen Tod bekannt gegeben. Wir sind in Gedanken bei seinen Hinterbliebenen und wünschen ihnen Kraft in dieser schweren Zeit. 

Die politische Bühne betrat Martin Willich sehr früh: 1965 in die CDU Hamburg eingetreten, wurde er gleich mit der nächsten Wahl Mitglied der Bezirksversammlung Wandsbek und Deputierter in der Wissenschaftsbehörde. Der Beginn einer beeindruckenden Karriere: Bereits mit 29 Jahren wurde er Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft, erledigte er noch rasch das 2. Juristische Staatsexamen, promovierte und begann die Familiengründung. Er benötigte nicht einmal zwei Wahlperioden, um als Kandidat für das Präsidentenamt gehandelt zu werden – im Vorfeld der Wahl 1982. Dr. Martin Willich galt als politischer Senkrechtstarter. 

Als damaliger stellvertretender Fraktionsvorsitzender zählte er zu einem der besten Debattenredner des Parlamentes, so Uwe Bahnsen in der „Welt“. Tatsächlich gewann die CDU 1982 dann knapp die Wahl – ebenso Martin Willich, als damals bundesweit jüngster Parlamentspräsident. Weitsichtig warb er damals in seiner Antrittsrede für Respekt und Sachlichkeit: „Wenn wir unserer gemeinsamen Verantwortung gerecht werden wollen, müssen wir alle – auch und gerade – voneinander lernen.“ 

Er übernahm unter den strengen Augen von Alterspräsidentin Charlotte Fera das Amt – und stellte sich damit auch der Aufgabe, mit den neu eingezogenen Grünen und ihrem „imperativen Mandat“ klarzukommen. Das war aber nicht das einzige Ärgernis, denn es gab ja ein Patt zwischen SPD und CDU – die sogenannten "Hamburger Verhältnisse". Dass Martin Willich einen wochenlangen Streit um den größten Sitzungsraum im Rathaus schlichten musste, war eines der kleineren Probleme – denn weit und breit war keine Koalition in Sicht. 

So durfte er nur sechs Monate im Präsidentenamt wirken, bis neu gewählt wurde und sein Vorgänger Peter Schulz sein Nachfolger wurde. Bis nach der nächsten regulären Wahl vier Jahre später, 1986, als die CDU die SPD wiederum knapp überholen konnte – und Martin Willich erneut Parlamentspräsident wurde. Dass auch dann keine Koalition zustande kam und im darauffolgenden Jahr neu gewählt wurde, hat jedenfalls nicht an Martin Willich und seinem Engagement gelegen. 

Der geborene Erfurter hat hier im Norden in der ihm so eigenen kreativen und humorvollen Art stets für seine wichtigsten Werte eingestanden: Freiheit und Unabhängigkeit. Und als überzeugter Vertreter des Feierabendparlamentes war Martin Willich auch beruflich zeitlebens fest in unserer Stadtgesellschaft verankert. 

Er prägte unsere Stadt auch als Geschäftsführer der Film- und Fernsehgesellschaft „Studio Hamburg“, die er zum bundesweit größten TV-Dienstleister ausbaute. Mehr als 25 Jahre an der Spitze des Unternehmens hat Martin Willich Hamburgs Image als Medienstadt wesentlich geprägt. Dr. Martin Willich war ein liberaler Konservativer, mit eigenem Kopf, unabhängig, nicht zwingend immer der Mehrheitsmeinung seiner Partei, er war bodenständig, humorvoll, nahbar – eben ein Demokrat durch und durch. 

Es war ein großes Glück, dass wir ihn 2005 zum Mitglied unseres Verfassungsgerichtes wählen konnten, mit über 95% der Stimmen, einige von uns werden sich erinnern. Mir ist Dr. Martin Willich als wichtiger Fels in der Brandung der Demokratie auch in dieser Funktion in bester Erinnerung. Und auch als wohlmeinender Ratgeber. 

Vom politischen Gegner war Martin Willich anerkannt: Das stellvertretende Kuratoriumsmitglied der Bundeskanzler-Helmut-Schmidt-Stiftung war nur eines seiner kleineren Ehrenämter. Es erinnert aber daran, dass er jahrelanges geschätztes Mitglied der „Freitagsgesellschaft“ bei unserem Bundeskanzler a.D. Schmidt war. Er war Vizepräsident der der Handelskammer, Mitglied der Freien Akademie der Künste, Kirchenvorsteher und auch – bekennender Familienmensch. All das war Martin Willich. 

Bis 1995 blieb er Mitglied unseres Hauses. Wir, die Abgeordneten der Hamburgischen Bürgerschaft, werden sein Andenken in Ehren halten.

Unser tiefes Mitgefühl gilt seiner Frau, seiner Familie und seinen Freunden. 

 

Datum: 14. Januar 2026 ab 13.30 Uhr
Ort: Rathaus, Plenarsaal