Die Lesung beleuchtet exemplarische Schicksale von Menschen, die aufgrund ihrer sexuellen Identität verfolgt, kriminalisiert und inhaftiert wurden. Ausgangspunkt ist vor allem der § 175 a des deutschen Strafgesetzbuches, der im Nationalsozialismus massiv verschärft wurde und tausendfaches Leid verursachte. Es wurden vorrangig homosexuelle Männer, aber auch alle anderen, die von der nationalsozialistisch geltenden „ Norm“ abwichen, im NS-Regime systematisch entrechtet, verfolgt und in Konzentrationslager deportiert.
Bürgerschaftspräsidentin Carola Veit betonte in ihrer Rede die Bedeutung des Gedenkens und der historischen Verantwortung: „Seit 1998 erzählt Künstler Michael Batz im Rathaus vom Ausmaß der Herrschaft der Nationalsozialisten. Die Nazis hinterließen schreckliche Spuren – bis in die Gegenwart. Batz lässt in diesem Jahr die queeren Opfer zu Wort kommen. Die Ungerechtigkeit, die den Opfern der Nazis widerfuhr, weil sie nicht „Hitlers Norm“ entsprachen, ist unerträglich. Auch heute ist es wichtig, sich deutlich gegen jede Form der Diskriminierung zu wehren: Liebt doch wen ihr wollt, denn Liebe ist nicht kriminell!“
Die szenischen Lesungen richteten sich an geladene Gäste und an Schulklassen und wurden im Großen Festsaal des Hamburger Rathauses aufgeführt. Die Texte basieren auf dokumentarischem Archivmaterial und persönlichen Zeugnissen. Sie wurden von Tim Koller, Anne Weber, Michael Weber und Maik Solbach vorgetragen. Musikalisch begleitet wurde die Lesung von Edgar Herzog (Klarinette), Jakob Neubauer (Bajan) und Gunter Schmidt (Klavier). Die künstlerische Leitung lag bei Michael Batz.
Seit 1998 veranstaltet die Hamburgische Bürgerschaft gemeinsam mit Michael Batz szenische Lesungen zum Holocaust-Gedenktag und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Erinnerungskultur und zur historischen Bildung junger Menschen.