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„Kultur unter Kontrolle“: Ausstellung im Rathaus eröffnet

Fünf Personen stehen vor einer Ausstellungstafel und schauen sie sich an.
© Hamburgische Bürgerschaft/Susanne Ahrens (v. l. n. r. ) Senator der Behörde für Kultur und Medien Dr. Carsten Brosda, Hugo Franz (2. Vorsitzender des Landesverbandes der Sinti und Roma in NRW), Kuratorin Gisela Ewe, Bürgerschaftspräsidentin Carola Veit und Arnold Weiß (1. Vorsitzender des Landesverein Sinti in Hamburg) beim betrachten der Ausstellungstafeln.
05. Februar 2026 Bürgerschaftspräsidentin Veit und Kultursenator Dr. Brosda eröffneten am Donnerstag im Rathaus die Ausstellung „Kultur unter Kontrolle“. Sie legt offen, wie Nationalsozialisten das Kulturleben in Hamburg kontrollierten und systematisch gleichschalteten.

Mit einer würdigen Veranstaltung im Festsaal des Hamburger Rathauses ist am Donnerstag die Ausstellung „Kultur unter Kontrolle. Hamburger Kultureinrichtungen und die Kulturverwaltung im Nationalsozialismus“ eröffnet worden. Die Ausstellung beleuchtet die Rolle der Hamburger Kulturpolitik und zentraler Kultureinrichtungen während der NS-Zeit. Erarbeitet wurde sie von der Stiftung Hamburger Gedenkstätten und Lernorte zur Erinnerung an die Opfer der NS-Verbrechen und der Behörde für Kultur und Medien. 

Der Fokus liegt dabei auf Museen, Theatern, Bücherhallen sowie der Hochschule für Bildende Künste und der 1933 neu geschaffenen Kulturverwaltung, mit der die Nationalsozialisten das Kulturleben der Hansestadt systematisch gleichschalteten. Neben Anpassung und Mitwirkung an Propaganda und Verfolgung zeigt die Ausstellung auch verdeckte Formen von Auflehnung sowie Biografien verfolgter Künstler:innen.


Carola Veit, Präsidentin der Hamburgischen Bürgerschaft: „Mit unseren Ausstellungen in der Diele des Rathauses erinnern wir in jedem Jahr an die Opfer des NS-Regimes und machen auf die unvergessenen und unauslöschlichen Verbrechen an der Menschheit aufmerksam. In diesem Jahr widmen wir uns der Geschichte der Kulturinstitutionen, die nun von der Behörde für Kultur und Medien aufgearbeitet wurden. Ein Besuch im Rathaus in den kommenden Tagen zeigt eindrücklich: Wer die Freiheit der Kunst und der Presse infrage stellt, der richtet sich immer gegen das Volk. Hitler und Goebbels Bestrebung war es, Kultur und Medien nicht auszuhebeln, sondern die entstandene Lücke mit plumper Propaganda auszufüllen. Das ist das Ende für eine solidarische Gemeinschaft, denn Zusammenhalt und Demokratie werden getragen vom Diskurs, von Spannung und von Menschen, die Nachdenken und Dagegenhalten.“

Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien: „Die Ausstellung ‚Kultur unter Kontrolle‘ zeigt, wie eng Kultur, Politik und Verwaltung in Hamburg während der NS-Zeit miteinander verwoben waren. Dass wir uns erst jetzt mit diesem Teil unserer Geschichte auseinandersetzen, macht deutlich, wie schwer sich lange auch staatliche Institutionen mit einer kritischen Betrachtung ihrer Vergangenheit getan haben. Dabei ist es dringend notwendig, dass wir uns bewusst machen, welche gesellschaftliche Bedeutung den Künsten zukommt und wie gefährlich ihre politische Instrumentalisierung ist. Die Ausstellung benennt Täter und macht Opfer der nationalsozialistischen Kulturpolitik sichtbar. Es liegt in unserer Verantwortung, die Vergangenheit aufzuarbeiten und dafür zu sorgen, dass die Freiheit der Künste und Kultur in Zukunft verteidigt wird und sie niemals wieder als politische Instrumente missbraucht werden.“ 

Zu den weiteren Rednern zählten Arnold Weiß (Vorsitzender des Landesvereins der Sinti in Hamburg e. V. und Mitglied im Zentralrat Deutscher Sinti und Roma) und Hugo Franz (2. Vorsitzender des Landesverbands der Sinti und Roma in Nordrhein-Westfalen); beide sind Angehörige in der Ausstellung vorgestellter Verfolgter. Kuratorin Gisela Ewe gab wichtige Einblicke in ihre Arbeit bei der inhaltlichen Gestaltung der Ausstellung.

Musikalisch begleitet wurde die Eröffnungsveranstaltung vom Streichquartett des Jewish Chamber Orchestra Hamburg. Im Anschluss an den offiziellen Teil fand ein gemeinsamer Rundgang durch die Ausstellung in der Rathausdiele statt.

Die Ausstellung ist Teil des Gedenkens der Hamburgischen Bürgerschaft an die Opfer des Nationalsozialismus rund um den Gedenktag am 27. Januar. Sie ist noch bis zum 10. März kostenfrei in der Diele des Hamburger Rathauses zu sehen. 
Im Flyer gibt es das dazugehörige Begleitprogramm.