Erinnerung in der Bürgerschaft
Mit einer Gedenkansprache zu Beginn der Bürgerschaftssitzung erinnerte Bürgerschaftspräsidentin Carola Veit an Süleyman Taşköprü und die Opfer der rassistischen Mordserie des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU).
Bereits am 28. Juni hatte Bürgerschaftspräsidentin Carola Veit gemeinsam mit Isabella Vértes-Schütter und Mithat Çapar, beide Mitglieder des Beirats zum NSU-Forschungsprojekt der Hamburgischen Bürgerschaft, sowie Nadine Neumann, Vorsitzende der Bezirksversammlung Altona, am Gedenkstein in der Schützenstraße Blumen niedergelegt. Mit dem stillen Gedenken erinnerten sie an Süleyman Taşköprü und die Opfer der rassistisch motivierten Mordserie des NSU.
Ein Hamburger wurde Opfer des NSU
Am 27. Juni 2026 jährte sich der rassistische Mord an Süleyman Taşköprü zum 25. Mal. Süleyman Taşköprü wurde 1970 in Istanbul geboren und kam 1981 zu seinen Eltern nach Deutschland. Er wuchs gemeinsam mit zwei Schwestern und einem Bruder in Hamburg-Altona auf, machte seinen Realschulabschluss und arbeitete später in dem von der Familie geführten Obst- und Gemüseladen in der Schützenstraße. 1998 wurde er Vater einer Tochter.
Am 27. Juni 2001 wurde Süleyman Taşköprü erschossen. Er war das dritte Opfer der neonazistischen terroristischen Vereinigung „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU), die zwischen 1999 und 2007 neun Menschen aus rassistischen Gründen und eine Polizistin ermordete sowie zahlreiche weitere schwere Straftaten, darunter mindestens 43 Mordversuche, Sprengstoffanschläge und Raubüberfälle, verübte. Die rassistischen Morde des NSU zählen zu den schwersten rechtsextremen Terrorverbrechen der jüngeren deutschen Geschichte. Erst die Selbstenttarnung des NSU im Jahr 2011 und die von den Tätern versandten Bekennervideos offenbarten die Verbindung der einzelnen Morde sowie den rechtsextremen Hintergrund der Mordserie.
Aufarbeitung dauert an
Während der jahrelangen Ermittlungen schlossen die zuständigen Behörden einen rechtsextremen Hintergrund sowie einen Zusammenhang der Taten aus. Stattdessen wurden die Täter zum Großteil im Umfeld der Opfer gesucht. Auch die Familie Taşköprü wurde nach der Tat in den Fokus der polizeilichen Ermittlungen gerückt. Der Hinweis des Vaters auf zwei „deutsch aussehende" Männer in der Nähe des Tatortes wurde nicht ausreichend verfolgt. Die jahrelangen falschen Verdächtigungen und Ermittlungen gegen Familienmitglieder belasteten und stigmatisierten die Angehörigen von Süleyman Taşköprü schwer. Die Hamburgische Bürgerschaft bat die Familie deshalb im Jahr 2018 für die unter falschem Verdacht geführten Ermittlungen um Entschuldigung.
Der NSU-Komplex ist in zahlreichen parlamentarischen Untersuchungsausschüssen auf Bundes- und Landesebene untersucht worden. Dennoch bleiben bis heute Fragen offen, insbesondere dazu, wie die Taten über einen so langen Zeitraum unentdeckt bleiben konnten. Um die Geschehnisse und Ermittlungen rund um den Mord an Süleyman Taşköprü in Hamburg umfassend aufzuarbeiten, beauftragte die Hamburgische Bürgerschaft 2024 ein unabhängiges Forschungsteam mit einer wissenschaftlichen Untersuchung. Auf Grundlage vorhandener Akten, Dokumente und weiterer Erkenntnisquellen sollen die Ereignisse und ihre Hintergründe interdisziplinär aufgearbeitet werden. Der Mord an Süleyman Taşköprü und die Folgen des NSU-Terrors mahnen, die Erinnerung wachzuhalten und die Aufarbeitung konsequent fortzuführen.